Wenn die, die über unser Geld entscheiden, immer mehr davon bekommen – während eine wachsende Anzahl Menschen kaum noch über die Runden kommen, läuft etwas schief. Mareice Kaiser fragt: Wie viel hat politisches Handeln eigentlich noch mit sozialer Wirklichkeit zu tun?
11.000 Euro brutto monatlich, eine BahnCard 100 und sechs Wochen Sommerferien – klingt nicht schlecht, oder? Das bekommen die Politiker*innen im Bundestag. Und sie wollen sogar noch mehr.
Politiker*innen entscheiden mit ihrer Arbeit auch über unser Geld: Mit ihren Entscheidungen legen sie fest, wie viel Geld wir alle zur Verfügung haben, zum Beispiel mit solchen zum Steuersystem. Oder mit solchen zu ihrem eigenen Verdienst.
Diät, so nennt man das Geld, das Politiker*innen bekommen. Und diese Diäten sollen erhöht werden, wenn es nach den Politikmachenden geht – obwohl sie erst im Juli um 5,4 Prozent erhöht wurden. Und im Vorjahr sogar um ganze sechs Prozent, damals die stärkste Erhöhung seit 30 Jahren.
Foto: Fabian Melber
Wer spricht hier?
Mareice Kaiser ist Bestseller-Autorin und Journalistin – und Mutter. Als Arbeiterkind ohne Studium ist sie die Ausnahme in einem Beruf, in dem die allermeisten einen Uni-Abschluss haben. Mareice kämpft für eine Gesellschaft, in der wir nicht auf Glück angewiesen sind, um ein gutes, würdevolles Leben zu führen. Ihr aktuelles Buch "Wie viel" erzählt entlang acht persönlicher Porträts, wie Geld unser Leben bestimmt – und wie ungerecht es verteilt ist.
Zum Vergleich: Menschen, die in Deutschland in Vollzeit arbeiten, verdienen im Durchschnitt 4.600 Euro pro Monat. Viele Menschen auch sehr viel weniger, vor allem in Ostdeutschland. Und dann gibt es natürlich noch viele Lohnlücken, wie den Gender Pay Gapoder denClass Pay Gap. Diese Lohnlücken beschreiben den finanziellen Unterschied, für den du gar nichts kannst, zum Beispiel, weil du eine Frau bist oder aus einer Arbeiter*innenfamilie kommst – oder beides.
Der durchschnittliche Verdienst von Menschen in Deutschland ist also weniger als die Hälfte des Einkommens von Bundestagsabgeordneten. Während alles teurer wird – Mieten, Kleidung, Essen – sollen die sogenannten Diäten erhöht werden. Das (Noch-)Bürgergeld aber zum Beispiel nicht.
Übrigens wollen nicht alle Politiker*innen immer mehr Geld. Die Parteivorsitzenden der Linken zum Beispiel deckeln ihr Einkommen auf 2.850 Euro und spenden den Rest in einen Solidaritätsfonds für soziale Beratungsprojekte. Die AfD-Fraktionsvorsitzenden gehen anders mit ihrem Geld um – sie haben sich ihre Zulagen verdoppelt.
Immer weniger Menschen haben Vertrauen in Politik und in die, die sie machen. Wenn ich mir diesen großen Unterschied anschaue zwischen denen, die das System gestalten und denen, die darin leben, kann ich das nachvollziehen.
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Kann das sein? 11.000 Euro im Monat für Abgeordnete, während andere sparen müssen – was geht dir da durch den Kopf? Erzähl uns in den Kommentaren, wie du auf solche Zahlen blickst.
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