Wer in Deutschland seinen Lebensunterhalt nicht durch eigenes Einkommen bestreiten kann, hat Anspruch auf staatliche Leistungen – und wird von Politik und Medien immer wieder zum Feindbild gemacht. Das Geld reicht vielen dennoch nicht für ein menschenwürdiges Leben. Wir blicken zurück auf das Bürgergeld – und werden an dieser Stelle auch zukünftig beobachten, wie es mit der neuen Grundsicherung weitergeht.
Dieser Artikel ist ein fortlaufendes Protokoll darüber, wie das Bürgergeld zum Symbol politischer Stimmungsmache wurde – und was das für die Betroffenen bedeutet. Wir erzählen die Geschichte rückwärts: vom Beschluss seiner Abschaffung bis zu seiner Einführung. Weil die Debatte weitergeht, wächst auch dieser Artikel mit ihr mit: Der Text wird laufend von uns aktualisiert, um so neue Entwicklungen und Debatten festzuhalten.
Januar 2026: Neues Jahr, alte Konzepte – pünktlich zur Mitte des Monats beginnt im Bundestag die parlamentarische Debatte über die "neue" Grundsicherung. 51,7 Milliarden hat ihr Vorgänger, das Bürgergeld, die Steuerzahler*innen im Jahr 2024 gekostet. Mit der Grundsicherung sollen nun viele dieser Milliarden eingespart werden.
Wie genau das funktionieren kann – obwohl Expert*innen, einschließlich der Bundesarbeitsministerin, immer wieder vor zu großen Einsparhoffnungen warnen – erklärt der CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Morgenmagazin der ARD: Hunderttausende Menschen würden mit der Grundsicherung, unter anderem durch Sanktionsverschärfungen, wieder in Arbeit kommen.
Ob diese Rechnung wohl aufgehen wird? Die Chancen für Arbeitslose standen noch nie so schlecht wie heute: Laut der Chefin der Bundesagentur für Arbeit (BA), Andrea Nahles, ist keine Gruppe an Arbeitnehmer*innen mehr vor Jobverlust gefeit. Die schlechtesten Chancen hätten aber Berufseinsteiger*innen: "Wir haben so wenig junge Menschen in Ausbildung vermittelt bekommen wie seit 25 Jahren nicht."
November 2025: Die geplante Abschaffung des Bürgergeldes betrifft in Deutschland nicht nur Erwachsene – sondern vor allem Kinder.
Kürzlich veröffentlichte die Bundesagentur für Arbeit neue Zahlen: Demnach wachsen rund 1,8 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Haushalten auf, die auf Bürgergeld oder sonstige Sozialhilfen angewiesen sind.
Hinter den besorgniserregenden Schlagzeilen versteckt sich laut SPIEGEL eine gute Nachricht. Erkennbar wird sie im Vergleich zum Vorjahr: Seitdem ist die Anzahl der Minderjährigen, deren Haushalte auf Bürgergeld angewiesen sind, nämlich um 5,1 Prozent zurückgegangen. Besonders stark war der Rückgang bei ausländischen Familien.
Gleichzeitig stieg die Anzahl der Empfänger*innen des Kinderzuschlags leicht an. Diesen erhalten Eltern, die zu viel verdienen, um Bürgergeld zu erhalten, aber zu wenig, um das Existenzminimum ihrer Kinder zu sichern. Der Zugang zu dieser Leistung wurde 2019 ausgeweitet und kommt heute etwa 1,3 Millionen Minderjährigen zugute.
Ihre Artikel sind unter anderem erschienen bei SPIEGEL, TAZ, Fluter, im Greenpeace Magazin und dem Amnesty Journal.
Das "S" in der SPD hat vor allem in Regierungsphasen immer wieder an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Zuletzt einigte sich die "sozialdemokratische" Partei gemeinsam mit ihrem Koalitionspartner CDU auf strengere Regeln für Sozialhilfeempfänger*innen.
Doch wenn auch nicht an der Parteispitze, so gibt es jedenfalls unter den SPD-Mitgliedern jede Menge, denen eine solidarischer Sozialstaat am Herzen liegt. So beantragte eine Gruppe von Parteimitgliedern im November 2025 ein Mitgliederbegehren gegen die geplante Grundsicherung. "Die SPD darf keine Politik mittragen, die Armut bestraft", forderten die Initiator*innen.
Das Begehren richtet sich gegen die verschärften Sanktionen beim Bürgergeld. Es fordert mehr Unterstützung für Betroffene und eine stärkere Positionierung der SPD gegen populistische Narrative. Mit über 4.000 Unterschriften nahm der parteiinterne Widerstand die erste Hürde, um ein Mitgliederbegehren durchzuführen. Das entspricht einem Prozent der Parteimitglieder.
Im nächsten Schritt müssen binnen drei Monaten mindestens 20 Prozent der Mitglieder das Begehren unterstützen. Erst dann muss der Parteivorstand entscheiden, wie er mit den Forderungen umgeht. SPD-Chef Lars Klingbeil erklärte unterdessen, dass er weiterhin "zu 100 Prozent" hinter den Plänen der Bundesregierung stehe.
Was mangelhaft war, soll jetzt wieder richtig schlecht werden: Im Oktober 2025 einigt sich die schwarz-rote Bundesregierung nach langen Verhandlungen darauf, das Bürgergeld wieder abzuschaffen. Programmatisch dafür steht eine erneute Namensänderung der Sozialhilfe: von Bürgergeld zu “Grundsicherung für Arbeitssuchende”. Der Gedanke, dass Bürger*innen dieses Staates das Recht auf finanzielle Unterstützung haben, ist damit passé. Der neue Name stellt klar, dass es hier nur noch um das absolute Minimum gehen soll.
Entsprechend auch die geplanten Änderungen: Arbeitssuchende sollen schneller Jobs annehmen – auch wenn diese nicht zu ihnen passen. Härtere Sanktionen bis hin zu Komplettstreichungen der Leistungen bei verpassten Terminen sind wieder möglich. Das Vermögen der Empfänger*innen soll zudem weniger geschont werden. Das sind drastische Einschnitte – und wie viel diese überhaupt bringen können, bleibt umstritten.
Laut Haushaltsentwurf des Arbeitsministeriums für 2026 sollen so nämlich um die 1,5 Milliarden Euro gespart werden. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, findet der Geschäftsführer der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher: "Es ist ein Zerrbild von einem faulen, arbeitslosen Menschen, was da gezeichnet wird", erklärte er dem NDR.
Denn viele der Beziehenden sind Kinder oder aber Erwachsene, die gar nicht arbeitslos, sondern krankgeschrieben, in Angehörigenpflege oder in einer Weiterbildungsmaßnahme gebunden sind – oder aber bereits einen Job haben, in dem sie nicht genügend verdienen.
Im September 2025 wird entschieden, dass das Bürgergeld 2026 nicht erhöht werden soll. Das ist bereits die zweite Nullrunde: Auch im Jahr 2025 sind die Leistungen gegenüber dem Vorjahr nicht gestiegen. Inflationsbereinigt ist der Regelsatz damit innerhalb von zwei Jahren um 27 Euro im Monat gesunken.
Diese Entwicklung ist etwas weniger skandalös als sie auf Anhieb klingt. Wie eine Recherche der ZEIT zeigt, wurde das Bürgergeld in den vergangenen Jahren gemessen an der Preis- und Lohnentwicklung übermäßig erhöht. Grund dafür waren Annahmen über zukünftige Preissteigerungen, die nicht eingetreten sind. Dass die zu starke Erhöhung jetzt durch zwei Nullrunden ausgeglichen wird, ist gesetzlich geregelt.
Inflationsbereinigt bekommen Bürgergeldempfänger*innen genauso viel oder wenig wie 2021. Trotzdem dürfte es für viele eine Herausforderung sein, sich angesichts steigender Preise wieder an weniger Geld zu gewöhnen. Vor allem für jene, denen es bisher schon nicht gereicht hat. Die Erhöhung des Bürgergelds gegenüber Hartz IV hat damit in der Realität nie stattgefunden.
Gefällt dir, was du liest? Dann abonniere jetzt unseren Newsletter.
Unser Newsletter bringt dir die spannendsten Geschichten und wichtigsten Fakten rund ums Grundeinkommen ins Postfach.
Im August 2025 erscheint eine weitere Studie, die mit Falschinformationen über das Bürgergeld aufräumt. Immer wieder behaupten Politiker*innen, dass es sich wegen des Bürgergeldes nicht mehr lohnt, arbeiten zu gehen. Angeblich hätten Leistungsempfänger*innen mehr Geld zur Verfügung als Menschen, die zu Niedriglöhnen arbeiten. Faktisch ist das falsch, wie die Hans-Böckler-Stiftung ganz einfach vorrechnet.
Das Ergebnis: "Wer zum Mindestlohn arbeitet, hat ein deutlich höheres verfügbares Einkommen als vergleichbare Personen, die Bürgergeld beziehen." Das gilt überall in Deutschland und unabhängig von der Haushaltskonstellation.
Dieser Skandal passt perfekt in die Agenda von Friedrich Merz und seinen Parteifreund*innen: Im Juli 2025 wurde durch eine Kleine Anfrage der Grünen bekannt, dass im Jahr 2024 insgesamt 421 Fälle von "bandenmäßigem Leistungsmissbrauch" beim Bürgergeld erfasst worden waren. Eigentlich sollte diese Information als Beleg dienen, dass solche Straftaten selten passieren und von Politiker*innen polemisch aufgeblasen werden.
Doch zahlreiche Medien von BILD über Business Punk bis tagesschau stürzten sich auf die Geschichte und beschworen eine "Bürgergeld-Mafia", die deutsche Steuerzahler*innen systematisch ausnimmt. Die Taten einer kleinen Gruppe von Straftäter*innen dienten Politik und Medien schnell als perfekte Erzählung zur Rechtfertigung härterer Regeln für alle Leistungsempfänger*innen. Rassistische Stereotype von Migrant*innen, die den Sozialstaat ausbeuten, gab es noch gratis dazu.
Ja, es gibt bandenmäßigen Leistungsmissbrauch beim Bürgergeld und ja, die Zahl der Verdachtsfälle ist gestiegen – von 229 im Jahr 2023. Konkret sieht dieser Betrug wohl so aus, dass Menschen vor allem aus Bulgarien oder Rumänien mit Jobversprechen nach Deutschland gelockt werden. Dort bekommen sie dann gefälschte Arbeitsverträge mit so geringer Bezahlung, dass sie beim Jobcenter aufstocken müssen. Das Geld, das sie bekommen, müssen sie anschließend zu großen Teilen an die Betrugsbanden abtreten.
Doch wie weit verbreitet ist das Problem eigentlich? 421 Fälle sind eine sehr geringe Zahl angesichts von 5,5 Millionen Leistungsempfänger*innen im selben Jahr. Und auch wenn die Verdachtsfälle steigen, haben die Jobcenter am Ende nicht mal in der Hälfte der Verfahren eine Strafanzeige gestellt. Drei Verurteilungen sind bekannt.
Im Juli 2025 werden die Diäten der Bundestagsabgeordneten erhöht, und zwar um 5,4 Prozent. Das ist erstmal nichts Ungewöhnliches, denn dabei handelt es sich um ein automatisches Anpassungsverfahren, das die Diäten an die Lohnentwicklung koppelt. Nur: Im Juli 2024 wurden die Politiker*innengehälter eben auch bereits um sechs Prozent erhöht: Das bedeutete 635 Euro zusätzlich – und damit die stärkste Erhöhung seit 30 Jahren. Für die wichtigen Dinge ist also noch Geld da, wie auch das Sonderbudget für Aufrüstung im März gezeigt hat. An anderer Stelle muss dafür gespart werden.
Dass das Bürgergeld dafür jedenfalls nicht geeignet ist, zeigt ein Bericht des Bundesrechnungshofs im Juli. Demnach kosten nicht Bürgergeldempfänger*innen, sondern Steuerbetrüger*innen den Staat jährlich Milliarden. Expert*innen bewerten das Einsparpotential beim Bürgergeld deutlich geringer als die möglichen Mehreinnahmen durch konsequente Bekämpfung von Steuerbetrug.
Im Juni zeigt eine Studie des Berliner Vereins Sanktionsfrei,wie es Bürgergeldempfänger*innen in dieser Zeit ergangen ist. Klar ist: eine „soziale Hängematte“, in der es sich entspannt faulenzen lässt, sieht anders aus. So gibt zum Beispiel jede*r zweite Leistungsempfänger*in an, dass nicht alle Personen im eigenen Haushalt satt werden. Insbesondere Eltern verzichten zugunsten ihrer Kinder auf Essen.
Die überwältigende Mehrheit will arbeiten, hat aber kaum Hoffnungen darauf, eine existenzsichernde Arbeit zu finden. Bei den meisten spielen körperliche oder psychische Einschränkungen eine Rolle. Scham und Angst prägen den Alltag: 42 % schämen sich, Bürgergeld zu beziehen, 72 % fürchten weitere Verschärfungen. Nur eine kleine Minderheit der Leistungsempfänger*innen fühlt sich als Teil der Gesellschaft.
Ein Grundeinkommen für dein Kind?
Wusstest du schon, dass auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an unseren Verlosungen teilnehmen können? Wie genau das geht, erfährst du hier.
Es überrascht kaum, dass eine der ersten Amtshandlungen der neuen Bundesregierung ist, das Bürgergeld für Ukrainer*innen zu streichen, die ab April 2025 vor dem russischen Angriffskrieg nach Deutschland flüchten. Alle, die davor gekommen sind, erhalten dank der sogenannten Massenzustromsrichtliniedirekt einen Aufenthaltstitel – und somit Bürgergeld.
"Fiskalisch ist es ein Nullsummenspiel, und arbeitsmarktlich macht es keinen Sinn", so der Chef der NRW-Arbeitsagentur, Roland Schüßler. Normalerweise erhalten Menschen, die nach Deutschland flüchten, geringere Leistungen, solange sie im Asylverfahren sind. Wenn es nach Markus Söder ginge, würden auch alle Ukrainer*innen, die schon länger hier leben, den Anspruch auf Bürgergeld verlieren.
Es mag ungerecht sein, dass manche Geflüchtete mehr Unterstützung bekommen als andere. Doch die Lösung könnte auch sein, es für alle besser zu machen statt für alle schlechter. Denn warum sollte ein Mensch aus der Ukraine, aus Syrien oder Afghanistan in Deutschland weniger Geld zum Leben benötigen als ein deutscher? Ohnehin haben die meisten Geflüchteten, die 2015 nach Deutschland kamen, heute einen Job. Und das trotz Hindernissen wie Sprachbarrieren, Traumata, nicht anerkannter Abschlüsse und fehlender Kontakte.
Im März 2025 einigen sich die beiden Parteien darauf, das Bürgergeld wieder zu "hartzifizieren": zurück also zur möglichst schnellen Vermittlung in Arbeit mit weniger Fokus auf die langfristige Perspektive. Zurück zu Leistungsstreichungen als Strafe für die, die da nicht mitmachen wollen. Und weiter mit dem Narrativ der Schmarotzerin, die den Staat ausnutzt: "Großangelegter Sozialleistungsmissbrauch" solle beendet werden, heißt es im Sondierungspapier. Dass es den gar nicht gibt (siehe oben) muss ja erst einmal keiner wissen.
Warum die Hetze gegen das Bürgergeld so erfolgreich ist, erklären Expert*innen dem Bayrischen Rundfunk im Januar 2025: "Das Gerechtigkeitsgefühl kann ganz starke Emotionen auslösen", sagt der Sozialpsychologe Andreas Hövermann. Jemand, der sich tagtäglich aus dem Bett quäle, hart arbeite und eventuell das Gefühl habe, nicht ausreichend zu verdienen, sei empfänglich für das Feindbild der vermeintlich faulen Sozialhilfeempfänger*in.
Hätte Populismus noch eine Chance, wenn es keine Armut mehr gäbe?
Weil das System Bürgergeld so komplex ist, sei es außerdem einfach, Falschinformationen zu verbreiten, erklärt die Politikwissenschaftlerin Jutta Schmitz-Kießler. Und weit verbreitete Abstiegsängste in Krisenzeiten machten die Bevölkerung noch empfänglicher dafür.
Der Erfolg des Bürgergeld-Shamings lässt sich also ganz einfach wissenschaftlich erklären. Er lässt sich dadurch aber nicht aufhalten. Nach der Wahl trägt die CDU/CSU ihren Feldzug gegen das Bürgergeld in die Sondierungsgespräche mit der SPD.
Der Missbrauch von Sozialhilfe ist ein immer wieder zitiertes Argument gegen das Bürgergeld – und für strengere Auflagen und Kontrollen. Dabei gibt es diesen Missbrauch in Wirklichkeit fast gar nicht: Im November 2024 etwa werden 29.600 Menschen sanktioniert, das sind nur 0,08 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten. Es werden also kaum Sanktionen verhängt – und wenn, dann meist wegen verpasster Termine und nicht wegen Arbeitsverweigerung.
Immerhin: die komplette Leistungsstreichung als Strafe ist seit 2019 nicht mehr möglich. Damals entschied das Bundesverfassungsgericht, dass ein menschenwürdiges Existenzminimum in jedem Fall gezahlt werden muss.
Im Januar 2024 steigen die Regelsätze sogar noch einmal deutlich an, um 61 Euro pro Monat für Alleinstehende. Doch um die Ecke lauert ein Wahlkampf – und mit ihm das dringende Bedürfnis konservativer politischer Parteien, einen Sündenbock für Deutschlands wirtschaftliche Probleme ausfindig zu machen. Erfahrungsgemäß eignen sich dafür Menschen mit einer schwachen Lobby, also Arme und Migrant*innen.
Und so droht der Kanzlerkandidat Friedrich Merz, das Bürgergeld "vom Kopf auf die Füße stellen" zu wollen und behauptet, dass sich damit zweistellige Milliardenbeträge einsparen ließen. Sein Parteifreund Markus Söder nutzt in einem Interview im Dezember 2024 ebenfalls die beliebte Methode des Nach-unten-Tretens, indem er fordert: "Das Bürgergeld muss weg und die Migration muss begrenzt werden."
Im Januar 2023 wird in Deutschland das Bürgergeld eingeführt. Es ersetzt das Arbeitslosengeld II, auch bekannt unter dem Namen Hartz IV. Die Erwartungen an das Bürgergeld sind groß. Schon im Namen scheint sich eine andere Haltung auszudrücken: weg vom Stereotyp des "Hartzers", den Politik und Medien als faulen Langzeitarbeitslosen zeichneten, der vermeintlich den Staat ausnutzte. Hin zu der Vorstellung, dass Menschen auch ohne Arbeit gleichwertige Bürger*innen sind. Und dass ihnen, weil sie Bürger*innen sind, eine existenzsichernde Grundsicherung zusteht.
Spoiler-Alert: der Imagewechsel wird nicht erfolgreich sein. Egal, ob Menschen in Deutschland Hartz IV oder Bürgergeld empfangen – der Staat und die Gesellschaft schaffen es, dass sie sich dafür schämen.
Aber zunächst zu den konkreten Verbesserungen, die das Bürgergeld tatsächlich mit sich bringt: Die Regelsätze steigen von 449 auf 502 Euro für alleinstehende Erwachsene. Bürgergeldempfänger*innen dürfen mehr Ersparnisse behalten als vor ihnen die Hartz-IV-Empfänger*innen, nämlich bis zu 40.000 Euro. Außerdem dürfen sie mehr dazuverdienen.
Das berühmte Hartz-IV-Prinzip "Fördern und Fordern" soll unter dem Bürgergeld zugunsten der Förderung verschoben werden. Neu sind zum Beispiel ein monatliches Weiterbildungsgeld sowie Weiterbildungsprämien für bestandene Abschlussprüfungen. Insgesamt sollen Arbeitslose nicht mehr möglichst schnell vermittelt werden, sondern in Jobs, die langfristig zu ihnen passen.
Dass das Narrativ der sozialen Hängematte nicht stimmt, zeigt auch die Studie des Pilotprojekt Grundeinkommen. Selbst mit einem Grundeinkommen von 1.200 Euro im Monat haben die Teilnehmer*innen nicht aufgehört zu arbeiten. Im Gegenteil: Viele haben die Sicherheit genutzt, um sich beruflich weiterzuentwickeln. Menschen wollen sich in der Regel einbringen, wenn es ihnen möglich ist.
Klara Simonführt seit Januar 2024 Mein Grundeinkommen als Vorsitzende des Vereinsvorstandes
War das etwa schon alles? Ist zur Grundsicherung alles gesagt? Wir bezweifeln es – und werden diese Chronologie deshalb laufend aktualisieren. Dranbleiben lohnt sich!
Fortschritt – oder ein Rückschritt in neuem Gewand? Wie siehst du die Entwicklung der Grundsicherung über die vergangenen Jahre? Erzähl es uns in den Kommentaren.
Das könnte dir auch gefallen
"Nennt es nicht Grundsicherung – nennt es lieber Schikaniergeld"
Helene Bockhorst findet: Das Bürgergeld ist wie ein Picknick aus der Hölle
Du findest gut was wir tun? Dann unterstütze uns als Crowdhörnchen – schon ab 1 Euro! Damit ermöglichst du unsere journalistische Arbeit, Forschung zum Grundeinkommen und die Verlosung. Bist du dabei?
Du findest gut was wir tun? Dann unterstütze uns als Crowdhörnchen – schon ab 1 Euro! Damit ermöglichst du unsere journalistische Arbeit, Forschung zum Grundeinkommen und die Verlosung. Bist du dabei?