Protest vor dem Bundestag

Mein Grundeinkommen e. V. stellt Rentenkonzept vor

Berlin, 30.04.2026

Berlin, [30. April 2026]. Mein Grundeinkommen e.V. lud zum politischen Kaffeekränzchen auf den Platz der Republik, um für eine gerechtere Rente zu demonstrieren. Vor dem Bundestag kamen über 200 Rentner*innen und Unterstützende an einer langen Tafel zusammen, um ein Zeichen gegen finanzielle Ungleichheit zu setzen. Gleichzeitig stellte der Berliner Verein ein Konzept vor, das Menschen in Rente mit mindestens 1.200 Euro monatlich absichert. Anlass sind die jüngsten Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz, der die gesetzliche Rente künftig vor allem als „Basisabsicherung“ sieht.

„In der Politik wird gerade ernsthaft diskutiert, wie wenig Rente Menschen bekommen sollen. Und das, obwohl es für ein sicheres Leben oft schon heute nicht reicht. Das zeigt, wie weit sich die Debatte von der Lebensrealität entfernt hat“, sagt Kirsten Herrmann, Vorständin und Kampagnenleiterin bei Mein Grundeinkommen e.V. „Wir reden über Menschen und wie sie wirklich abgesichert werden. Deshalb fordern wir ein Grundeinkommen für Menschen in Rente.“

Laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung erhalten rund 10 Mio. Menschen in Deutschland eine Rente unterhalb der Armutsgrenze. Das betrifft vor allem Frauen. 2024 erhielten sie im Schnitt 1.073 Euro Rente. In den alten Bundesländern waren es sogar nur 983 Euro. Bemerkenswert: In Ostdeutschland liegen die Renten von Frauen im Schnitt höher. Dort waren Frauen fast durchgehend erwerbstätig. Und wer sich in Vollzeit in einem Erwerbsarbeitsverhältnis befindet, sammelt mehr Rentenansprüche als Personen, die wegen Kinderbetreuung oder Teilzeit aussetzen.

Vorschlag: Grundeinkommen von mindestens 1.200 Euro für alle
Vor diesem Hintergrund stellt Mein Grundeinkommen ein Konzept für eine Reform der gesetzlichen Rente vor: Alle Rentner*innen sollen künftig ein monatliches Grundeinkommen von mindestens 1.200 Euro erhalten. Wer darüber hinaus weitere Rentenansprüche hat, erhält diese zusätzlich und trägt über die Besteuerung des Anteils oberhalb der 1.200 Euro – wie im Grundsatz auch heute schon – solidarisch zur Finanzierung bei.

„Das aktuelle System verteilt Unsicherheit. Ein Grundeinkommen verteilt Sicherheit – klar und nachvollziehbar. Das Geld ist da, es muss nur besser verteilt werden“, erklärt Hermann. „Statt eines komplizierten Systems aus Beiträgen und Zuschüssen, schlagen wir vor, Rente über Steuern neu zu organisieren. So kommt der Wohlstand wieder bei denen an, die ihn erarbeitet haben.“

Das Modell setzt auf einen grundlegenden Systemwechsel hin zu einer stärker steuerfinanzierten Rente. Der tatsächliche Mehrbedarf liegt nach Gegenrechnung der bestehenden Steuereinnahmen auf Renten bei rund 77 Milliarden Euro. Eine Vermögenssteuer in Höhe von 2 Prozent mit einem Freibetrag von einer Million würde bereits ausreichen, um diese Summe vollständig zu decken. In der gesamtstaatlichen Rechnung entlastet dieses Modell den Bundeshaushalt: Die 77 Milliarden aus der Vermögenssteuer ersetzen heutige Bundeszuschüsse von 56 Milliarden Euro, die im Gegenzug entfallen. Hinzu kommen Einsparungen bei der Grundsicherung für 739.000 Rentner*innen, die heute auf ergänzende Sozialhilfe angewiesen sind. Diese Mittel stünden künftig für andere Aufgaben zur Verfügung.

Ende Juni will die Rentenkommission ihre Vorschläge vorlegen. Mit ihrem Konzept bringt Mein Grundeinkommen bereits jetzt eine konkrete Alternative in die laufende Debatte ein. Die Kommission hat den Vorschlag des Vereins inklusive Berechnungen bereits im Vorfeld erhalten. Mein Grundeinkommen blickt gespannt auf die Vorstellung der Ergebnisse. „Wer Rente auf ein Minimum reduziert, entscheidet bewusst, dass ein Teil der Gesellschaft schlechter lebt. Das ist Machtpolitik“, sagt Klara Simon, Vorstandsvorsitzende von Mein Grundeinkommen e.V. „Merz tut so, als gäbe es keine Alternative. Die gibt es – aber sie ist politisch nicht gewollt, weil sie bedeuten würde, dass nicht länger nur wenige Vermögende profitieren, sondern viele.“

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Über Mein Grundeinkommen e. V.
Mein Grundeinkommen e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der die Wirkung und Umsetzbarkeit des Bedingungslosen Grundeinkommens in der Praxis erforscht. Seit 2014 ermöglicht der Verein per Crowdfunding die regelmäßige Verlosung von Grundeinkommen, die Gewinnende finanziell entlasten und ihnen neue Perspektiven bieten. Bisher konnte der Verein durch die Unterstützung von Befürwortenden und Spendenden über 2.200 Grundeinkommen auszahlen. In Berlin gegründet und weiterentwickelt, ist Mein Grundeinkommen e. V. mittlerweile das größte zivilgesellschaftliche Grundeinkommen-Projekt weltweit. Zusätzlich initiiert und unterstützt der Verein wissenschaftliche Studien wie das Pilotprojekt Grundeinkommen oder den Finanzierungskonfigurator. So schafft der Verein im Diskurs um das Grundeinkommen belastbare Fakten.

Kontakt

Stefanie Schurmann
Presse- und Medienarbeit
Mein Grundeinkommen e.V. (gemeinnützig)
M: stefanie@mein-grundeinkommen.de

Henrik Schulte
Presse- und Medienarbeit
Mein Grundeinkommen e.V. (gemeinnützig)
M: henrik@mein-grundeinkommen.de