Ein Kind ist ein Geschenk – und ein finanzielles Abenteuer. Mareice rechnet nach: Essen, Kleidung, Wohnung, Extras. Was dabei oft untergeht? Auch die Care-Arbeit kostet: Zeit, Geld, Nerven. Und diese Kosten entfallen vor allem auf die Mütter.
Es gibt wenig, das so viel mit Politik zu tun hat, wie Kinder. Das fängt schon ganz am Anfang an: Über wessen Schwangerschaft wird sich gefreut, über welche werden die Augen gerollt? Wer kann sich für eine Schwangerschaft entscheiden und wer wird kriminalisiert, wenn sie sich gegen sie entscheidet? Für all das ist Politik verantwortlich.
Ich habe selbst ein Kind und mal überlegt, was ich für dieses Kind so ausgegeben habe in diesem Monat. Neue Schuhe mussten her: 70 Euro. Ein Oberteil für einen Auftritt beim Schulkonzert, das eine bestimmte Farbe haben musste: 39 Euro. Ein Einkauf für eine Übernachtungsparty mit Freundinnen bei uns: 20 Euro. Chips sind teuer! Vor allem, wenn es viele sind.
Foto: Fabian Melber
Wer spricht hier?
Mareice Kaiser ist Bestseller-Autorin und Journalistin – und Mutter. Als Arbeiterkind ohne Studium ist sie die Ausnahme in einem Beruf, in dem die allermeisten einen Uni-Abschluss haben. Mareice kämpft für eine Gesellschaft, in der wir nicht auf Glück angewiesen sind, um ein gutes, würdevolles Leben zu führen. Ihr aktuelles Buch "Wie viel" erzählt entlang acht persönlicher Porträts, wie Geld unser Leben bestimmt – und wie ungerecht es verteilt ist.
Dann Heuschnupfen! Die Zuzahlung der Allergie-Medikamente: 15 Euro. Ein neuer Füller für die Schule: 10 Euro. Das Fahrrad brauchte neue Bremsen und Lichter: 60 Euro. Und dann gab es noch eine kleine Klassenfahrt – die Elternbeteiligung: 100 Euro. Insgesamt sind das 314 Euro. Das sind jetzt nur die Extra-Ausgaben, die mir eingefallen sind. Laut dem Statistischen Bundesamt haben Eltern im Jahr 2018 im Durchschnitt bereits 763 Euro ausgegeben.
Ansonsten gibt es natürlich noch laufende Kosten. Zum Beispiel braucht mein Kind ein Zimmer, dadurch brauche ich eine größere Wohnung, als ich sie allein für mich bräuchte. Essen! Zwei Personen essen mehr als eine. Richtig teuer wird es, wenn wir einen Urlaub zu zweit planen. Also planen wir den nicht so oft. Sondern eher Freibad mit Pommes. Das kostet aber auch Geld.
Gutes Essen, gemeinsam in den Urlaub: Das Grundeinkommen ändert alles für eine alleinerziehende Mutter und ihren Sohn.
Dazu kommt eine Dimension, die oft vergessen wird, wenn es um Kinder und Geld geht: Care-Arbeit. Den Text für diese Kolumne wollte ich eigentlich einen Tag früher abgeben. Aber: Da war mein Kind krank. Es ist jetzt nicht mehr so klein, dass ich es die ganze Zeit bespaßen muss, im Gegenteil, eher so das Alter, in dem Kinder sagen: Ist jetzt auch mal gut.
Trotzdem kann ich mich mit einem Ist jetzt auch mal gut-Kind zuhause, das die ganze Zeit schnieft und rotzt nicht so gut auf meine Arbeit konzentrieren, wie in meinem Büro an meinem Schreibtisch. So groß ist unsere Wohnung nämlich nicht. Und: Ich möchte dann auch nicht erwerbsarbeiten. Ich möchte mich um mein Kind kümmern.
Motherhood Penalty und Lebenserwerbseinkommen
Wenn ich nicht arbeite, weil ich krank bin oder mein Kind krank ist, verdiene ich kein Geld. So ist das bei Freiberufler*innen ohne Erbe. Ich habe dann kein Einkommen, weder aktiv noch passiv. Dass ich weniger Geld habe, weil ich ein Kind habe, das geht nicht nur mir so. Es ist kein Einzelfall, sondern zeigt eine politische Struktur.
Und die hat sogar einen Namen: "Motherhood Penalty", also zu Deutsch etwa "Mutterschaftsstrafe". Mütter müssen mit Lohneinbußen von 40 Prozent rechnen, im Gegensatz zu Frauen ohne Kinder – nur, weil sie Mütter sind. Für Väter gilt das übrigens nicht. Väter verdienen in ihrem Leben oft mehr Geld als kinderlose Männer.
Das durchschnittliche Lebenserwerbseinkommen in West- und Ostdeutschland
Aber zurück zu den Kindern. Ein Kind kostet bis zum 18. Lebensjahr ungefähr 160.000 Euro. Und da sind die Lohneinbußen für Mütter jetzt noch nicht verrechnet. Problem: Leider bekommt man zu dem Kind das Geld nicht auch dazu. Ja, es gibt Kindergeld – seit 1. Januar 2025 beträgt es für jedes Kind 255 Euro monatlich – aber das reicht bei weitem nicht für ein gutes Leben mit Kind.
In Deutschland ist jedes fünfte Kind armutsgefährdet – das sind etwa 3 Millionen Kinder. Das heißt, dass sie aus Haushalten kommen, in denen grundlegende Bedürfnisse schwerer zu erfüllen sind.
Laut einer repräsentativen Befragung, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Organisation Save the Children 2025 in Auftrag gegeben hat, zerbricht sich ein Viertel der Eltern den Kopf darüber, wie es die Grundbedürfnisse (Heizung, Wohnung, Nahrung) ihrer Familie befriedigen soll. Es wurden insgesamt 1.003 Eltern minderjähriger Kinder gefragt. Zu Anfang des Jahres waren es noch 15 Prozent der Eltern – es wird also leider schlimmer.
Ein Grundeinkommen für dein Kind?
Wusstest du schon, dass auch Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an unseren Verlosungen teilnehmen können? Wie genau das geht, erfährst du hier.
Je geringer das Haushaltsnettoeinkommen, desto mehr beobachten Eltern, wie ihre Kinder sich isoliert fühlen und traurig sind, da diese zum Beispiel nicht Hobbys nachgehen oder an Freizeitaktivitäten teilnehmen können. Damit wir hier positive Änderungen sehen, braucht es Politik, die für Kinder und für ihre Eltern gemacht wird. Davon sind wir im Moment sehr, wirklich sehr weit entfernt. Das ist nicht nur doof für Eltern, das ist vor allem doof für Kinder.
Übrigens: Es gibt immer mal wieder politische Bemühungen, das Leben mit Kindern finanziell leichter zu machen, zum Beispiel die Kindergrundsicherung. Vielleicht erinnert ihr euch an meinen Text? Ich suche die Kindergrundsicherung noch immer.
Mareice hat noch mehr zu sagen
Einmal im Monat teilt Mareice Kaiser in einem Gastkommentar ihre Sicht auf aktuelle politische Debatten mit uns. Alle Folgen findest du hier:
Was denkst du: Luxusproblem oder Systemversagen? Wir wollen wissen, wie du die Kosten fürs Kinderhaben erlebst – oder warum du dir (k)eine Familie leisten willst. Erzähl’s uns unten in den Kommentaren!
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Mareice Kaiser ist auf der Suche nach den verschwundenen Milliarden für unsere Kinder
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