Die Debatte rund um Künstliche Intelligenz (KI) ist rasendschnell und ohrenbetäubend laut. Hinter all dem Lärm steht dabei die Frage: Wer entscheidet eigentlich über unsere Zukunft? Wir fragen uns zudem: (Wie) Kann ein Grundeinkommen dazu beitragen, dass KI das Leben aller in einer Gesellschaft verbessert?
Stell dir vor, du bewirbst dich auf deinen Traumjob. Das Stellenprofil passt perfekt – aber du hörst nie etwas von dem Unternehmen zurück. Was ist passiert?
Ein Algorithmus von Künstlicher Intelligenz (KI), der zur Vorauswahl von Bewerber*innen verwendet wird, hat entschieden, dass du ein zu großes Risiko darstellst. Die KI hat vorhergesagt, dass dein zukünftiges Verhalten in Konflikt mit der angestrebten Profitmaximierung des Unternehmens steht – z.B. weil du einer Gewerkschaft beitreten oder eine Familie gründen könntest.
Man fragt sich: Wie viele Menschen sehen eigentlich noch wie viele Bewerbungen? Welche Entscheidungen sollen dabei Algorithmen treffen? Wieviel günstiger ist das? Und wer bezahlt uns dann für all unsere Daten, die die KI gegessen hat?
Welche Entscheidungen wollen wir nicht abgeben? Zwischen welchen Optionen kann der Algorithmus sich überhaupt entscheiden? Und wer entscheidet eigentlich, was KI optimieren soll – und was nicht?
Und: Wenn die Welt, in der wir leben, immer digitaler wird, dieser digitale Raum aber nicht demokratisch organisiert ist – leben wir dann eigentlich noch in einer Demokratie?
Viele Fragen, wenige Antworten. Ich würde sagen: Bisher verstehe ich das Konzept Künstliche Intelligenz zu etwa 20 Prozent. Für diesen Text versuche ich deshalb, mir KI mit dem Buch von Max Kasy zu erklären. Um mir meine Zukunft in der Arbeitswelt ein bisschen besser vorstellen zu können, auch wenn ich bei dem Begriff KI eigentlich schreiend wegrennen möchte.
Nur: Lohnarbeit ist für mich überlebensnotwendig, also will ich wissen, wem – und wie – KI Arbeitsplätze wegnimmt. Bisher war KI für mich vor allem ein Projekt von Menschen, die die Welt ganz dringend jetzt noch retten wollen, weil sie nicht mit der Schuld und Scham umgehen können, sie zerstört zu haben.
Wie bei vielen anderen "wirtschaftlichen" Instrumenten, ist auch die Infrastruktur von KI extrem unzugänglich für alle, die sich nicht für mehrere Milliarden im Jahr Server-Farmen leisten können.
An KI muss man also eigentlich glauben, da es unwahrscheinlich ist, sie mehr als nur teilweise zu verstehen. Aber: Ich bin bereit, auf KI zu hoffen, wenn ihr Ziel Gemeinwohl und nicht weniger Wohl ist. Also: Was ist nun KI – und was hat das Grundeinkommen damit zu tun?
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Hast du Angst vor Künstlicher Intelligenz? Glaubt man den Geschichten, die uns seit Jahren erzählt werden, könnten Maschinen bald über uns hinauswachsen und die Herrschaft übernehmen. In diesen Erzählungen entwickelt KI übermenschliche Fähigkeiten, optimiert sich selbst und wird zur Bedrohung: erst für Einzelne, dann für die gesamte Menschheit.
Sie aktiviert unsere tiefsten Ängste: den Verlust von Arbeit, Einkommen und Selbstbestimmung – die Vorstellung, kontrolliert zu werden. Diese Szenarien zeichnen ein Bild von KI als unzugängliche, unausweichliche Kraft, die wir nicht mehr steuern können. Doch dieses Angstbild verschiebt den Blick. Nicht die Maschine selbst bedroht uns – sondern die Machtverhältnisse, unter denen sie entwickelt und eingesetzt wird.
Zwei Schritte zurück: Was ist eigentlich KI?
Künstliche Intelligenz bezeichnet erst einmal einfach digitale Systeme, die Muster in großen Datenmengen erkennen und daraus Vorhersagen oder Entscheidungen ableiten. Diese Vorhersagen können sehr unterschiedlich sein – vom nächsten Wort in einem Chat bis hin zu Tötungen durch Drohnen in einem Krieg.
Die Entscheidungen trifft sie anhand der Ziele, für die sie entwickelt, trainiert und eingesetzt wird. Diese Ziele legen Menschen oder Institutionen fest – und sie spiegeln deshalb auch bestehende Machtverhältnisse und Ungleichheiten wider.
Wenn Tech-Millionär*innen darüber entscheiden, zu welchem Ziel und Zweck Daten verarbeitet werden, spiegeln die "intelligenten" Entscheidungen des Algorithmus also eher nicht die Interessen der Gesellschaft, sondern die Logik des Profits wider.
Angst ist hier dann durchaus berechtigt – aber nicht vor der KI, sondern vor denjenigen Strukturen, die sie formen. Denn erst ein demokratischer Prozess würde sicherstellen, dass wir selbst Einfluss auf die Ziele hätten, für die Künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Und nur dann ergibt es Sinn, all unsere Daten zu teilen, um diese Systeme zu verbessern.
Nicht demokratisch ist es, wenn Algorithmen darüber entscheiden, was für uns Arbeit, Glück, Selbstbestimmung oder Sicherheit bedeuten.
Grundeinkommen + technologische Entwicklung = Demokratie?
Soll die Demokratie eine Zukunft haben, dann geht das nur, wenn wir gemeinsam über diese Zukunft entscheiden können – und dann lässt sich das Politische nicht mehr vom Sozialen und das Soziale nicht mehr vom Wirtschaftlichen trennen.
Dafür brauchen wir aber erst einmal demokratische Systeme, die es uns ermöglichen, Entscheidungen, die uns betreffen, auch selbst zu treffen. Hier kommt das Bedingungslose Grundeinkommen ins Spiel:
Ein Grundeinkommen ist immer zunächst eine schnelle Absicherung für diejenigen, die heute mit Ungleichheit und den daraus entstehenden Ängsten leben müssen. Wenn KI künftig mehr Wertschöpfung übernehmen kann, könnte ein Grundeinkommen dazu beitragen, diesen Wohlstand gerechter zu verteilen – und damit demokratische Teilhabe überhaupt erst ermöglichen!
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Darüber hinaus lässt sich das Grundeinkommen im Rahmen von KI aber auch als gesellschaftliche Dividende verstehen: als unseren Anteil für die Daten, mit denen wir alle die Grundlagen für KI-Modelle geschaffen haben. Denn: Sehr viel Geld, das eigentlich uns gehören müsste, bekommen wir in unserem jetzigen Steuersystem nicht ausgezahlt.
Wenn KI durch menschliche Erfahrung und Daten lernt, dann basiert ihr Wert auf etwas, das gemeinschaftlich hervorgebracht wurde. Ein Grundeinkommen würde diesen Wert an die Gesellschaft zurückgeben, statt ihn bei einigen wenigen Unternehmen zu konzentrieren.
Wir sollten unsere Hoffnung auf Möglichkeitsräume nicht nach dem Scheitern westlicher repräsentativer Demokratien ausrichten.
Prof. Dr. Maximilian Kasy ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Oxford
So verstanden wäre das Bedingungslose Grundeinkommen nicht nur ein Sicherheitsnetz, sondern ein Mechanismus, um die Früchte technologischer Entwicklung gerechter zu verteilen.
Die unsichtbare Macht sind wir – wenn wir uns entscheiden, die Zukunft nicht weiterhin mit der Vergangenheit zu berechnen.
Künstliche Intelligenz ist keine autonome Kraft, sondern ein Machtinstrument, das sich für kollektive Zwecke neu gestalten ließe. Ob das gelingt, entscheidet mit darüber, ob Hoffnungen auf ein Grundeinkommen und technologische Entwicklung zusammenfinden können. Fest steht: Wenn wir KI wollen, die der Allgemeinheit dient, muss die Allgemeinheit darüber entscheiden, wem sie dient.
Und du? Was müsste sich für dich ändern, damit KI unseren Alltag wirklich besser macht? Und wo würdest du dir wünschen, dass KI anders eingesetzt wird – oder gar nicht? Erzähl es uns in den Kommentaren!
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